Das Rosenzuchtprogramm von David Austin
David Austins Gartenrosenzuchtprogramm gehört zu den größten der Welt. Während der letzten 15 Jahre wurden auch die herrlichen Schnittrosen entwickelt.
Sammeln von Pollen
Der Rosenpollen wird gesammelt, sorgfältig gekennzeichnet, getrocknet und gelagert. Die stark gefüllten Blüten der Englischen Rosen haben oft nur wenig Pollen, was für die Zucht eine wahre Herausforderung bedeutet.
Bestäuben der Blüte
Bis zu 150.000 einzelne Kreuzungen werden jede Saison durchgeführt. Die Staubgefäße werden der Blüte entnommen, um eine Selbstbefruchtung zu vermeiden, danach wird der Pollen vorsichtig mit einem Pinselchen auf die Blütenstempel aufgebracht.
Ernte der reifen Hagebutten
Bei einer erfolgreichen Kreuzung bildet die Rose reife, pralle orangefarbene oder rote Hagebutten. Sie werden geerntet und gekennzeichnet. Jeder einzelne kostbare Samen wird vorsichtig herausgeschält.
Nach einer Kältephase werden die Samen ausgesät. Im Frühjahr beginnen die Samen zu treiben und die Treibhäuser füllen sich schnell mit winzigen grünen Keimlingen. Nicht alle Samen werden austreiben, aber jedes Jahr werden über 250.000 Sämlinge heranwachsen.
Die ersten Jungpflanzen blühen bereits nach nur 6 bis 8 Wochen. Jede Rose ist einzigartig. Die große Vielfalt im Züchtungspool ergibt eine breite Pallette von neuen Varianten in den Nachkommen. Viele Alte Rosenarten, verschiedene Rosenklassen und Moderne Rosen bilden diesen Pool und werden mit den besten Elternpflanzen aus der Klasse der Englischen Rosen gepaart.

Es ist nicht nur Schönheit und Duft, wonach die Selektoren bei David Austin suchen, sondern eine fast undefinierbar scheinende Charakteristik: Grazie. Es ist diese besondere Qualität, die unserer Meinung nach die Englische Rose von den anderen abhebt.

Daher ist es wichtig, eine schöne Rose während dieses Prozesses nicht zu früh zu verwerfen, und so werden immer mehr Rosen selektiert, als später tatsächlich gebraucht werden.
Selektion der Sämlinge
Ziel unseres Zuchtprogramms ist nicht nur noch mehr Sorten der Englischen Rose zu kreieren, sondern auch gute Elternpflanzen zu identifizieren. Das sind Rosen, die erwünschte Charakteristiken zuverlässig an die Nachkommen weitergeben. Das Wissen und unser Bestand an Elternpflanzen, beides über viele Jahre aufgebaut, hilft uns dabei, den einzigartigen Charakter und die Schönheit der Englischen Rosen zu erhalten und weiterzuentwickeln. Die Mehrzahl dieser Elternpflanzen wird nie in den Verkauf kommen.
David Austin und Carl Bennett bei der Selektion der Sämlinge
Die Pflanzen werden zunächst nach Farbe, Blütenform und Duft selektiert und müssen dann noch weitere Tests im Versuchsfeld bestehen. Es bedarf vieler Feldversuche, viele Jahre lang, bis ein Sämling bewiesen hat, dass er sich nicht nur über die Schönheit seiner Blüten, sondern auch im Freiland jahrein, jahraus hervorragend behautet kann.

Das ist jedoch noch lange nicht das Ende; die Sämlinge, die diesen Selektionsprozess überstanden haben, müssen sich noch weitere acht Jahre auf dem Versuchsfeld bewähren.

Als nächstes werden die Sämlinge nämlich auf einen qualitativ hochwertigen Wurzelstock okuliert und das Ergebnis in der folgenden Saison begutachtet. Pflanzen, bei denen diese Okulation das beste Resultat ergibt, werden in den Folgejahren durch weitere Okulation vermehrt. Dadurch können die Qualitäten einer potentiell neuen Sorte bei einer größeren Anzahl von Pflanzen eingeschätzt werden.

Im letzten Versuchsjahr wird die Anzahl der Rosenstöcke auf 200 Pflanzen angewachsen sein. Das Versuchsfeld sieht dann einfach umwerfend aus. Unsere Besucher staunen nicht schlecht wenn sie hören, dass diese Schönheiten sich nochmals einem Selektionsprozess stellen müssen, bis nur noch die allerbesten fünf oder sechs übrig bleiben.
Für David Austin ist das Planen der Kreuzungen der schönste Teil des Züchtungsprozesses. Es ist zwar eine recht entspannte aber hochkreative Tätigkeit. Obwohl der Erfolg beim Züchten von Rosen sehr stark von einer akribischen Planung abhängt und das kleinste Detail sehr genau bedacht werden muss, so spielt doch der Zufall immer wieder eine entscheidende Rolle.

Aber das ist eben die Faszination bei der Rosenzüchtung - man kann das Ergebnis nie genau vorhersagen. Die folgenden Bilder zeigen die Elternpflanzen zusammen mit ihrem Nachwuchs aus einer Kreuzung.
Die "Mutterpflanze" für den Samen
Die stark duftende Gallica-Rose Belle Isis wurde bestäubt und bildete den Samen, aus dem Constance Spry hervorging. Die Gallica-Rose ist eine der ältesten Kulturrosen.
Das Kreuzungsergebnis
Constance Spry ist eine wunderschöne einmalblühende Rose, der wir die seltene bezaubernde Myrrhe-Duftnote bei den Englischen Rosen verdanken.
Die "Vaterpflanze" für den Pollen
Die Floribundarose Dainty Maid lieferte den Pollen für die Kreuzung. Diese Rose ist zwar öfterblühend, hat aber einfache Blüten und kaum Duft.
In den letzten Jahren haben wir unsere Versuchsfelder nicht mehr so stark mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Eine Herausforderung für unsere jungen Rosenpflänzchen, da sich vor allem in einer Monokultur mit nur einer einzigen Pflanzenart Schädlinge und Krankheiten gerne stärker ausbreiten. Der Vorteil dabei: nur die gesündesten Sorten überleben diesen Test. So können wir sicher sein, dass sich eine Rose, die sich im Feldversuch gut behauptet, bei ein wenig Pflege in Ihrem Garten ganz hervorragend entfaltet.

Rosensuche
 
'Meine Rosen' von David Austin


 

  
 
 


22 May 2013